Gefühle, Stimmungen und Erleuchtung

Der richtige Umgang mit sich selbst ist gewährleistet, wenn man sich immer seiner eigenen Gefühle bewusst ist und sich darauf ein OK gibt, sie also unter allen Umständen annehmen kann.

Das Wahrnehmen der eigenen Gefühle und Empfindungen des Körpers ist ungeheuer wichtig für unseren Fortschritt auf dem Weg zur Erleuchtung.

Häufig sind wir uns nur der Stimmung bewusst, in der wir uns gerade befinden, und wenn die gut ist, scheint alles in Ordnung zu sein, wenn sie schlecht ist, gehen wir schnell in irgendeine Aktivität hinein, von der wir wissen oder annehmen, dass sie unsere Stimmung wieder aufbessert.

Wer wirklich tief in seinen eigenen Gefühlen ruht, weiß, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen Stimmungen und echten Gefühlen gibt.

Nur in echten Gefühlen kann man so richtig tief drin sein und dadurch das Gefühl haben, dass man in ihnen ruht. Mit Stimmungen geht das nicht, weil sie immer künstlich erzeugt sind und ursprünglich nur der Stimulation dienten um möglichst schnell aus bedrohlichen Situationen herauszukommen, also eine Art Stressreaktion des Nervensystem und des Körpers sind.

Leider haben wir es uns angewöhnt keine Unterscheidung zwischen Stimmungen, körperlichen Empfindungen und Gefühlen zu machen. Wir werfen das alles in eine Topf und nennen es Gefühle oder Emotionen. Und da Gefühle in unserer Kultur eher für Verwirrung statt für Klarheit sorgen, legen wir nicht so einen großen Wert darauf. Wir empfinden sie oft als trügerisch und wollen sie deshalb nicht als Wegweiser für unser Leben nehmen. Der klare Verstand scheint uns da die bessere Wahl zu sein und so ist das Wissen um die menschlichen Gefühle und die Empathie immer mehr verloren gegangen.
Wenn wir den Wert der Gefühle wieder entdecken, bekommen wir das Wissen um unsere untrügliche Intuition zurück. Wir lernen dann zu unterscheiden zwischen echten Gefühlen, die im Hier und Jetzt stattfinden und erinnerten Gefühlen, die wir aus der Vergangenheit mit uns herumschleppen. Wir können merken, ob eine Situation gut für uns ist, oder schlecht. Ein Mensch uns wirklich gut tut, oder uns nur in eine vorübergehende Stimmung versetzt. Ob das, was wir gerade essen uns auf Dauer gesund erhält oder nur eine kurzfristige Lust befriedigt.

Wenn wir das alles wieder gelernt haben, können wir schrittweise immer größere Gefühle in uns aushalten und erleben und in ihnen in Ruhe bleiben. Denn viele Gefühle haben wir uns schon in der Kindheit abgewöhnt weil sie uns als zu schmerzhaft erschienen, und wir der Meinung waren, dass wir sie nicht aushalten können, und es deshalb besser sei, sie zu unterdrücken.

Wenn wir endlich wieder unser volles Gefühlspotential entfaltet haben, werden wir in einer perfekten Verbindung zu unserem Körper leben. Wir werden das erste Mal das Gefühl haben, dass wir vollständig in unserem Körper inkarniert sind, weil wir keine Angst mehr haben vor all den Gefühlen, die mit den unzähligen Wahrnehmungen zusammenhängen, die uns unser Körper in jeder Sekunde schenkt.

Unsere Gefühle sind die Sprache, die unseren Körper mit unserem Geist verbindet.

Der Raum in dem wir innerlich leben teilt sich in 3 Sphären. Den körperlichen Raum, den Raum in dem die Gefühle sind und den mentalen Raum, der unseren Geist mit allen Gedanken und Bildern enthält. Das kann jeder in sich feststellen, wenn er die Aufmerksamkeit nach Innen richtet auf den Körper, die Gefühle und die Gedanken und Bilder.

Unsere Gefühle sind die Sprache, durch die sich unser Körper dem Geist verständlich macht und umgekehrt.

Wir wüssten sonst gar nicht was im jeweils anderen Raum vor sich geht. Alle drei Räume und ihre Inhalte sind miteinander verbunden. Ein Gedanke im mentalen Raum erzeugt automatisch ein Gefühl im Gefühlsraum und eine körperliche Empfindung im Körper. Und umgekehrt. Egal in welchem Raum etwas geschieht, immer und unter allen Umständen gibt es auch eine Aktivität in den beiden anderen Räumen. Das kann jeder in sich überprüfen, wenn er seine Aufmerksamkeit nach Innen lenkt.

Wenn wir uns unserer Gefühle nicht mehr bewusst sind, brechen wir die Kommunikation zwischen Körper und Geist ab, die bewusste Verbindung geht verloren, weil die Gefühle die Sprache sind in der sich Körper und Geist unterhalten.

Leider leben viele Menschen in solch einer abgespaltenen Art und Weise, sind sich ihrer Gefühle nicht bewusst, weil sie sie verdrängen und in ihrer natürlichen Intensität einschränken und rutschen dadurch in Krankheiten, die sie nicht mehr im Griff haben, weil der Körper sich nur in der Einheit selbst helfen kann. Diese Einheit von Körper, Gefühl und Geist ist die absolute Voraussetzung nicht nur für Gesundheit, sondern auch für Erleuchtung. Solange sie nicht wieder hergestellt ist, gibt es keinen dauerhaften Aufenthalt in einem höheren Bewusstseinszustand. Man wird immer wieder zurückgeholt, damit man sich um die Herstellung dieser Einheit kümmern kann.

Da das mit einiger innerer Arbeit verbunden ist, wünschen sich natürlich viele suchende Menschen einen schnelleren Weg, eine Abkürzung auf dem Weg zur Erleuchtung. Und viele kürzen sich den Weg dadurch ab, dass sie sehr einseitige und extreme Formen der Meditation und andere geistige und körperliche Übungen machen. Aber immer fallen sie wieder aus ihren hohen Bewusstseinszuständen heraus. Die Ganzheit des Lebens lässt sich nun einmal nicht überlisten. Wir müssen erst richtig Menschen werden und sein, bevor wir diesen Zustand transzendieren können und uns zu höheren Sphären aufschwingen können.

So ist das. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, weil ich das alles über Jahre und Jahrzehnte mit Erfolg ausprobiert habe.

Die unbewussten Impulse aus der Inneren Stille

Alle Praktizierende, die in der Erfahrung der Inneren Stille verankert sind, kennen das Phänomen, dass eine Vielzahl von Impulsen aus der Stille aufsteigen. Das können Gedanken oder Bilder und Erinnerungen sein, Gefühle und körperliche Empfindungen.

Die Anweisung lautet dann oft, dass man nicht danach „greifen“ soll und nichts damit machen soll, weil dieses Machen dann wieder eine Identifikation darstellt. Man wäre dann identifiziert mit dem Impuls, was wiederum eine Ego-Struktur erzeugen würde.

Ich habe bei meinen Untersuchungen festgestellt, dass es manchmal ganz gut ist, seine Aufmerksamkeit darauf zu legen. Nämlich dann, wenn man merkt, dass man gewohnheitsmäßig danach greift. Denn speziell diese Impulse sind es, die uns aus der Inneren Stille herausholen und verhindern, dass wir sie in der Aktivität aufrechterhalten können.

Das ist ein sehr wichtiger Fakt, der ein grundlegendes Funktionsprinzip der menschlichen Psyche beschreibt. Impulse, die wir gewohnheitsmäßig selbst erzeugen und dann abgreifen, lassen sich nicht allein durch die Innere Stille stoppen und auflösen. Weil die Entscheidung vorher rückgängig gemacht werden muss, die dazu geführt hat, dass wir wie in einem unbewussten Wiederholungszwang immer und immer wieder diese Impulse erzeugen und abgreifen. Wir stecken mit dem Ego immer schon vorher drin, bevor wir automatisch nach den Impulsen greifen. Wir merken das nur nicht. Das Ego trickst uns aus und versteckt diese Entscheidung vor uns.

Da dies ein sehr subtiler Vorgang in den tiefsten Schichten des menschlichen Bewusstseins ist, übersehen dies viele Sucher. Auch wenn sie sehr fortgeschritten sind.

Die Anweisung, dies einfach in der Inneren Stille auszusitzen, funktioniert nicht, wie viele Sucher bestätigen können. Die Erfahrung zeigt, dass wir unbewusst immer und immer wieder neue Impulse in der Stille auftauchen lassen, die dann die Innere Ruhe im Alltag stören.

Das Einzige, das wirklich hilft, ist die Aufmerksamkeit aus der Stille heraus auf den Impuls zu legen, egal ob es ein Gedanke, ein Gefühl oder eine körperliche Sensation ist, und ihm ein OK zu geben. Dann und wirklich erst dann, kann man das Spiel des Ego erkennen und anhalten. Und dieses Verfahren habe ich die Praxis der Inneren Stille genannt, weil sie die letzten unbewussten Reste des Egos auslöscht, mit denen wir unsere Realisation aktiv verhindern. Von alleine geschieht das leider auch in Jahren und Jahrzehnten der Meditation nicht.

Die nach Innen gerichtete Aufmerksamkeit

Warum ist das nach Innen richten der Aufmerksamkeit so wichtig?
Weil dass ständige nach Außen richten der Aufmerksamkeit ein Ungleichgewicht im eigenen System erzeugt.

Warum richten wir Menschen so gerne unsere Aufmerksamkeit nach Außen?
Weil wir dann unser Inneres nicht wahrnehmen müssen.

Was wäre da so schlimm dran?
An sich nichts. Aber wenn wir viele ungeklärte Dinge in unserem Unterbewusstsein verdrängt halten, kommen diese Inhalte mit einer Menge schlechter Gefühle zum Vorschein, wenn wir nach Innen schauen. Und wer will das schon? Obwohl es sicher eine gute Idee wäre, diesen schlechten Gefühlen ohne Vorbehalte Aufmerksamkeit zu schenken, um an die dahinter liegenden Inhalte heran zu kommen.

Erleuchtung kommt, Erleuchtung geht?

Wenn die Erleuchtung kommt, kann man sie in der Regel nicht aufrechterhalten, weil man dem mentalen Vorgang der Selbst-Ablehnung aufsitzt.

Nicht erleuchtet zu sein, ist eine mentale Entscheidung. Wenn das nicht so wäre, könnte Gott uns einfach zur Erleuchtung zwingen, oder die Evolution, oder unser Meister, oder wer oder was auch immer. Das geht aber nicht, denn wir Menschen haben als höchstes Gut unserer Spezies unseren freien Willen. Und wenn wir sagen, Nein ich will nicht, dann klappt das mit der Erleuchtung auch nicht.

Es klappt nicht, wenn man sich hinstellt und sagt: Ich will jetzt erleuchtet sein. Das ist eine Willensbekundung, ein Wunsch, eine Sehnsucht. Aber keine wirkliche mentale Entscheidung.

Wir tragen alle eine mentale Selbst-Ablehnung (Ego) in uns, die es uns ermöglicht uns vor uns selbst und Anderen zu verstecken. Dieses Versteckspiel haben wir ein Leben lang geübt. Wir haben damit begonnen, weil wir überleben wollten. Unser Überlebenstrieb hat uns von Anfang an dabei geholfen, schon in einer Zeit, wo wir noch gar nicht über diese Dinge nachdenken konnten.

Das Ego ist so erfolgreich, weil es so nützlich für uns ist. Und deshalb können wir es nicht einfach aufgeben. Verhaltensweisen, die uns nützlich sind, die vom Beginn unseres Lebens an unser Überleben gesichert haben, können wir nicht einfach aufgeben. Unsere ganze Persönlichkeit ist auf diesen erlernten mentalen Strukturen aufgebaut. Niemand kann den Ast absägen, auf dem er sitzt, weil er dann in die Tiefe stürzt. Erleuchtete sind Narren, die diesen Ast absägen und dann in die Tiefe fallen.

Das ist der Moment der Aufgabe der Selbst-Ablehnung. Dann bekommt man sich selbst wieder vollkommen zurück.

Hier eine unvollständige Liste von Dingen, die man auf jeden Fall, mit den bekannten Erleuchtungsattributen, zurückbekommt:

– Dinge aus der Vergangenheit, die man lieber in der Vergessenheit halten will, weil die Erinnerung an sie mit zu schlechten Gefühlen verbunden ist,
– ungeklärte Beziehungen,
– unerfüllte Wünsche,
– unkgeklärte soziale Verhältnisse,
– gestörte Eltern-Kind-Beziehungen,
– systemische Verstrickungen,
– alte Krankheiten, die nicht auskuriert wurden,
– alte Traumata, die nicht verarbeitet, sondern verdängt wurden,
– unerfüllte Berufswünsche,
– alte Lebensträume,
– usw, usw.
😉

Und genau das ist einem zu viel. Denn genau deshalb ist man ja so lange nicht erleuchtet. Weil man sich selbst nicht haben will, weil man sich selbst nicht sein will
Man lehnt sich selbst zeitlebens ab. Das ist die mentale Basis des Egos.

Ich selbst hatte viele Jahre den Wunsch meine schlechten Gefühle durch Meditation einfach „loszuwerden“, weil ich immer das Gefühl hatte, sie nicht aushalten zu können, weil sie mich in meiner Lebensgestaltung behindert haben, und weil ich mich in ihrer Nähe bedrückt fühlte.

Das war meine Selbst-Ablehnung.

Erst als ich all diese Gefühle zugelassen und mich an ihre Klärung gemacht habe, ging es weiter mit meiner spirituellen Entwicklung.

Insofern muss jeder Mensch schauen, ob und wie er seine Selbst-Ablehnung betreibt.

Verdrängung und Erleuchtung passen einfach nicht zusammen!

Eine regelmäßige Praxis in einer der bekannten Traditionen reicht für den Weg zur Erleuchtung aus. Für das Auflösen der verdrängten Gefühle braucht es aber einer besonderen Technik, die ich die Praxis der Stille genannt habe, weil sie nicht ohne die Erfahrung der Inneren Stille funktioniert.

Kurze Erfahrungen ekstatischer Zustände sind mit Selbstablehnung möglich, aber mehr nicht!

Will man sich damit zufrieden geben?

Ich habe das nicht getan und bin diesen Weg zu Ende gegangen. Es hat sich gelohnt .
Die Erleuchtung ist geblieben. Bliss forever.
🙂

Überlebensknoten

Ich habe bei meiner inneren Arbeit eine Art von emotionalen Knoten entdeckt, den ich Überlebensknoten genannt habe, weil man plötzlich von dem Gefühl überwältigt wird, dass man jetzt sterben wird, wenn man weitermacht mit der Wahrnehmung im Innenraum.
Reflexartig zieht man seine Aufmerksamkeit aus dem Inneren ab, und versucht durch Ablenkungen im Äußeren „zu sich zu kommen“.
Es hat ein Zeitlang gedauert, bis mir klar wurde, dass ich gar nicht wirklich in Gefahr war, sondern nur ein vergangenes Gefühl hochgekommen war. Ein Gefühl, dass ich tief in mir vergraben hatte, und das ich verdrängt hatte.
Nach dem ich meine Angst und meine Abwehr vor dieser Art emotionaler Attacke abgelegt hatte, schaute ich mir das Ganze in meinem Innenraum noch mal genauer an und merkte dabei, dass die Gefühle eindeutig in Richtung Panik und Todesangst gingen, und das Gefühl der Todesangst so real war, dass ich nicht unterscheiden konnte, ob es echt war oder nicht.
Diese Angst auszuhalten ist sehr schwer, weil der Verstand weiß zwar, dass es keinerlei Bedrohung gibt im Außen, im Inneren aber ein panikvolle Abwehr dieser Angst abläuft.
Wer das schon mal erlebt hat, weiß wovon ich spreche.

Die 3 Stufen der Erleuchtung

Es gibt im Grunde genommen drei große Phasen, die man durchmacht, auf dem Weg zur Erleuchtung.
Die erste Phase dient dem Entdecken der inneren Stille. Die zweite dem Aufrechterhalten der inneren Stille und die dritte Phase der Integration der inneren Stille in der Aktivität.
Jede Phase hat ihre eigenen Aufgaben, die man bewältigen muss, und jede Phase ist mit einem Paradigmenwechsel verbunden. Wenn man dazu nicht bereit ist, bleibt man in den einzelnen Phasen stecken.
Die Phase, wo man die innere Stille noch nicht entdeckt hat, ist die Zeit unseres „normalen“ Lebens. Wir sind innerhalb unserer materialistischen Kultur völlig auf die Außenwelt konzentriert und nehmen unser Inneres nur halb bewusst war. Das Innere mit seiner unendlichen Fülle wird nicht als gleichwertig mit der Außenwelt wahrgenommen. Außen ist die Realität, Innen ist nur eine Ansammlung von Gedanken und immer wiederkehrenden Stimmungen, die alle als subjektiv empfunden werden und deshalb keine objektive Realität sind. In der Außenwelt spielt sich das ab, was wir Realität nennen, in der Innenwelt erscheint unsere persönliche Reaktion darauf.

Wenn wir im Laufe unserer Entwicklung immer mehr uns selbst bemerken und wahrnehmen, entdecken wir langsam diesen Bereich der Stille in uns, der uns durch seine Offensichtlichkeit quasi objektiv daherkommt. Die Erfahrung dieser inneren Stille erzeugt einen so starken Eindruck in uns selbst, dass wir immer wieder dahin zurückkehren, ob wir wollen oder nicht. Diese erste Phase wird immer wieder als eine Art Erwachen erlebt und von vielen Menschen so beschrieben. Da wir diese Erfahrung nicht mehr abschütteln oder vergessen können, betreten wir die zweite Phase der Erleuchtung. Unser Weltbild ändert sich, weil wir quasi eine neue Objektivität in uns selbst entdeckt haben, die erstmal keinen direkten Bezug zur Außenwelt hat. Wir erleben uns in einer Art Zweiheit. Ein Teil der Realiät steckt in uns, der andere im Außen. Die Dualität (dvaita) ist geboren.

Die nächste Phase unserer Entwicklung findet hauptsächlich im Inneren statt, weil wir anfangen diese innere Stille in uns als das zu erkennen, was wir im Eigentlichen sind. Bisher dachten wir immer, wir sind unsere Gedanken und Stimmungen, jetzt merken wir, dass wir in Wirklichkeit dieser riesige Raum innerer Stille sind, und all unsere Gedanken, Stimmungen und Wahrnehmungen spielen sich nur innerhalb dieses Raumes ab.

Wir fangen an, uns an die Erfahrung dieser inneren Stille zu gewöhnen. Sie wird uns mehr und mehr zu unserer zweiten Natur. Wenn wir ganz bei uns sind, verweilen wir in dieser inneren Stille, wenn wir außer uns sind, befinden wir uns im normalen Leben, in der gewohnten Realätät, die wir mit allen anderen teilen. Je mehr wir uns während dieser zweiten Phase der Erleuchtung an diese innere Stille gewöhnen, indem wir immer wieder dorthin zurückkehren, umso mehr entsteht in uns das Gefühl, dass eine neue, echte, feste Realität entsteht, die unzweifelhaft genau so real ist, wie die Realität, die wir im Außen erfahren. Ja, es geht dann sogar soweit, dass wir merken, dass diese innere Stille zu einem echten Seinszustand wird. Wenn das erreicht ist, sind wir am Ziel der zweiten Stufe angekommen, weil dieser Seinszustand der inneren Stille von uns stärker wahrgenommen und empfunden wird, als die Realität im Außen. Wir sind dann der festen Überzeugung, dass diese innere Stille, dieses SEIN, mehr und sicherer Realität ist, als das, was wir im Außen erfahren. Das Außen fängt an uns als Traum. als Projektion unseres Inneren zu erscheinen, und dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir in die dritte Phase der Erleuchtung eintreten und unser Weltbild wieder eine Änderung erfährt.

Wir fangen an aus unserem inneren SEIN, aus dieser direkt erfahrbaren Realität heraus wieder in die Außenwelt hinauszutreten, aber ohne das innere SEIN zu verlassen. Es bleibt als innere Erfahrung, als Seinszustand, immer erhalten. Am Anfang wechseln wir die Perspektive noch, wir pendeln immer hin und her zwischen beiden Erfahrungen, bis dann das Sein zur dominierenden Erfahrung auch beim Handeln in der Außenwelt wird. Dann ist das Ziel der dritten Stufe erreicht, und wir können sagen, dass wir erleuchtet sind.

Natürlich geht unsere Entwicklung dann noch weiter…

Der Sinn von Identifikation

Und wieder einmal muss ich betonen, dass die sogenannte Identifikation, von der in spirituellen Kreisen so viel gesprochen wird, kein Problem im eigentlichen Sinne ist. Sie ist ganz im Gegenteil ein ganz normaler Schutzmechanismus der menschlichen Psyche, eine Reaktion auf erlebte Verletzungen und Traumata. Sie ist wie ein Plaster auf einer Wunde ein Schutzmittel gegen weitere Verletzungen. Die Wunde erhält dadurch mehr Ruhe und kann dadurch im Idealfall besser heilen.

Genau so dient die Identifikation der Ruhigstellung und damit letztendlich der Heilung der Wunde.
Die Identifikation ist nicht die Ursache für das Trauma, sie schützt die eigene Psyche nur vor dem ständigen Wiedererleben der traumatischen Erfahrung.

Wenn alle alten Wunden und Traumata geheilt sind, verschwindet das Phänomen der Identifikation von ganz alleine – und nimmt das Ego gleich mit. Die wahre Natur des Selbst kann sich dann zeigen und nichts stört den Prozess des Realisation mehr. DAS was ist, durchdringt dann die eigene Natur immer mehr, so dass das individuelle Sein auf die Ebene kosmischen SEINS gehoben wird.

Erleuchtung kann geschehen…

Die Advaita-Falle

Die Advaida-Lehre kann einen Schatten haben. Das ist ein sehr radikaler Satz, aber er muss so radikal formuliert sein, weil gesehen werden muss, dass Advaita nicht nur die hohe Disziplin der indischen Philosphie ist, sondern selbst ein Schatten sein kann im Sinne eines Verdrängungsmechanismus.

Dann ist die Philpsophie des Advaita die perfekte mentale Falle. Und in diese Falle können Sucher aller Richtungen sehr leicht hineingeraten.

Leider machen einige bekannte und so manch unbekannter Advaita-Lehrer den Eindruck in diese Falle geraten zu sein, und es ist nicht absehbar wie sie da wieder herauskommen.

Die Idee der Nicht-Zweiheit wird dann vom Ego benutzt um sich selbst vor dem Zugriff der Bewusstheit zu schützen. Längst überwunden geglaubte Muster und Prägungen, also all das, was unserem Ego Kraft und Energie gibt, verstecken sich dann hinter der Aussage, dass da niemand mehr ist.

Mit dem Erwachen, also dem endgültigen Erkennen der Nicht-Zweiheit als letzter und einziger Realität, ist die Möglichkeit des Zugriffs auf diese versteckten Ego-Anteile endgültig verschwunden.
Wenn die Evolution dann auf einmal diese nicht beachteten Anteile aus dem Unterbewusstsein in die Wahrnehmung des bewussten Geistes hochspült, kommt das böse Erwachen.

Auf einmal wird man krank, fühlt sich nicht mehr blissig und wohl und kann nicht mehr an den normalen gewohnten Aktivitäten teilnehmen. Alles ist einfach nur noch schrecklich. Dies ist tiefenpsychologisch gesehen ein ganz normaler Vorgang und geht oft mit der Erfahrung von Depressionen einher.

Die einzige Möglichkeit da wieder herauszukommen ist, sich den auftauchenden Themen zu stellen. Dafür ist eine Re-Identifikation mit den persönlichen Anteilen nötig und die Aufarbeitung und Integration der verdrängten Selbst-Anteile. Wird das nicht gemacht, erlebt man die wohlbekannten Folgen von Verdrängungen, die sich in psychosomatischen, also auch körperlichen Erkrankungen niederschlagen. Das ist selbst erzeugtes Leid und sicher kein schönes erwachtes Leben.