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Der Schockzustand des Unterbewusstseins

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Unterbewusstsein so eine Art psychischen Schockzustand des menschlichen Bewusstseins darstellt. So hat es sich für mich immer angefühlt.

Vorweg gesagt: Gegen die körperlichen Folgen hilft Entspannung, gegen die falschen mentalen Schlussfolgerungen hilft nur Aufarbeitung, und erst dann lösen sich die damit einhergehenden emotionalen Probleme.

Am Anfang meiner Beschäftigung mit diesem Thema dachte ich, dass Entspannung allein ausreichen würde, um alle Folgen dieses Schockzustandes aufzulösen. Später erkannte ich, dass das nicht funktioniert. Das Unterbewusstsein verschwindet nicht durch Entspannung.

In der Regel folgt einem schockierenden Erlebnis immer eine negative mentale Bewertung und der folgt dann eine negative emotionale Reaktion. Und die beiden lassen sich unter keinen Umständen nur durch reine Entspannung rückgängig machen.

Ich denke, dass viele Menschen, die Yoga, Meditation und Advaita machen, das nicht berücksichtigen.

Schockierende Erlebnisse laufen so schnell und gewaltig ab, dass unsere mentale und emotionale Intelligenz mit der gleichzeitigen Verarbeitung überfordert ist. Das kann erst später geschehen.

Bei körperlichen Erlebnissen übernimmt eine Art körperliches Selbst für einen kurzen Moment die Kontrolle und drängt die beiden anderen inneren Instanzen in den Hintergrund. Nur ganz selten gelingt es einem, in Schrecksekunden den inneren Beobachter aufrechtzuerhalten und das Geschehen wie einen Film in Zeitlupe ablaufen zu lassen. In dem Fall findet keine Verdrängung statt.

In allen anderen Fälle muss die Aufarbeitung durch erneute Bewusstmachung später erfolgen, um die verdrängten Inhalte aus dem Unterbewusstsein zu befreien.

Bei körperlichen Erlebnissen (Un- und Überfälle usw.) ist dieser Ablauf leicht nachvollziehbar. Schwieriger wird es eher bei emotionalen und mentalen Schockerlebnissen.

Jemand verletzt einen gefühlsmäßig, oder zerstört das eigene Wertesystem. Auch das sind Schockerlebnisse, die auf Grund der Schnelligkeit des Erlebens ins Unterbewusstsein verdrängt werden, so dass eine Verarbeitung erst wieder später erfolgen kann.

Da wir Menschen im Laufe unseres Lebens mehrere solcher Erlebnisse durchmachen, baut sich das Neue auf dem Alten auf. Wir reagieren also nicht mehr unbelastet und frisch auf neue Erlebnisse, sondern erinnern uns unbewusst an ähnliche und gleiche Situationen, können dadurch aber schneller reagieren, weil wir das ja schon kennen.

So bilden sich unbewusste Verhaltens- und Reaktionsmuster heraus, die Teile unserer normalen Persönlichkeit werden. Wir sind dann halt so, und jeder ist anders.

Aber leider sind diese unbewussten Persönlichkeitsanteile nicht immer vorteilhaft. Immer wieder kann es vorkommen, dass wir quasi automatisch reagieren, und uns hinterher ärgern, weil die Folgen nicht vorteilhaft sind. Wir stehen uns selbst hilflos gegenüber, wir haben uns selbst nicht im Griff, und die Gefühle machen auch noch was sie wollen. Ich glaube, jeder kennt das.

Mit Entspannung allein kommt man da nicht weiter. Und die Erleuchtungserfahrungen helfen einem da auch nicht weiter. Die tauchen in der tiefen Meditation zwar auf, verschwinden dann aber schnell wieder, weil einmal gefasste mentale Bewertungen, die ins Unterbewusstsein abgeschoben wurden, sich nicht ohne eigenes Zutun auflösen können. Das gilt übrigens für jede Form von Bewertung – negative wie positive.

Wenn man seine Aufmerksamkeit auf die eigenen Gefühle und Stimmungen legt, erhält man Zutritt zum Unterbewusstsein und dort findet man den ganzen Bewertungsmüll, den man im Laufe seines Lebens angesammelt hat. Selbsterkenntnis heißt im ersten Schritt immer, sich dem zu stellen und damit aufzuräumen, damit man unbelastet und authentisch in jedem Moment leben, erfahren und reagieren kann.

Meditation kommt dann, in einem zweiten Schritt, zu seiner vollen Wirkung. Wenn der ganze Müll der Vergangenheit losgelassen ist, zeigt sie einem das wahre eigene Selbst und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Erleuchtung.

Meine Erfahrung ist, dass es keinen Abkürzungsweg oder Trick gibt sich an dieser inneren Arbeit vorbeizumogeln. Wenn doch, hätten wir schon Millionen von Erleuchtete in den letzten Jahrtausenden unter uns gehabt. Und das ist nicht so.

Menschen dürfen nicht zu Patienten gemacht werden.

Es gibt eine wichtige Unterscheidung, die ich hier darstellen möchte.

Der spirituelle Weg konfrontiert uns genauso mit unseren Traumata und unserer Vergangenheit, wie es ein normales materielles Leben auch tut. Wenn wir ein wirklich glückliches Leben leben wollen, kommen wir nicht darum herum, uns mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen, und den Teil von uns aus der Vergangenheit zu befreien, den wir damals zurücklassen mussten, um den Anforderungen in der Familie, im Kindergarten und in der Schule gerecht zu werden.

Wenn wir unsere abgespaltenen Selbstanteile nicht befreien und in unser heutiges Selbst integrieren, werden wir immer das Gefühl haben, dass irgend etwas nicht stimmt und wir nicht wirklich zufrieden sein können mit uns selbst und immer etwas im Äußeren suchen müssen.

Wichtig ist es, dass wir uns klar machen, dass die Notwendigkeit für diese Aufarbeitung eine freiwillige Sache ist und nur von uns selbst kommen kann, und nur durch uns selbst getan werden kann. Niemand kann uns diese emotionale, mentale und körperliche Heilarbeit abnehmen. Und wir sollten niemals auf die Idee kommen, dass wir krank sind, nur weil wir den Weg noch nicht ganz geschafft haben.

Es gibt heutzutage so viele Therapien, die sich diesem Thema der Aufarbeitung der Kindheit verschrieben haben, und eine Menge Wahrheiten herausgefunden haben über die menschliche Psyche. Was sie aber alle falsch machen bei diesem Thema ist, dass sie diese Suche nach Ganzheit als Behandlung einer Krankheit ansehen. Das ist falsch, denn jeder Mensch, der die Zeit seiner Kindheit dadurch überlebt hat, dass er Erinnerungen und Erlebnisse verdrängt hat, also Teile von sich selbst abgespalten hat, ist ein Held. Denn er hat überlebt. Die Alternative wäre gewesen, dass er sich völlig aufgibt und stirbt.

Deshalb sehe ich das therapeutische Wissen als gut an, die Art und Weise wie es vermarktet und angewendet wird, wie es verkauft wird, und wie Menschen zu Patienten gemacht werden, als Fehler.
Es ist dadurch ein Psycho-Markt entstanden, der Menschen zu Kunden macht, indem sie entweder therapeutische Methoden kaufen müssen, oder Psychopharmaka, von denen sie abhängig werden wie von Drogen.

Der spirituelle Weg ist der sanfte und menschliche Weg der Heilung, da auf dem Weg zur Erleuchtung diese ganzen Traumata ans Tageslicht kommen. Der Mensch als Suchender sich aber nicht als kranken Patienten sehen muss..
 
Das ist ein ganz wichtiger Unterschied, der in unserer Kultur viel zu wenig beachtet wird.

Nicht-Erleuchtung ist keine Krankheit, sondern einfach ein anderer Bewusstseinszustand, in dem das innere Glück und die Liebe sich nicht vollständig entfalten konnten, weil man zu oft nicht den Zuspruch und die Liebe bekommen hat in der Kindheit, die man gebraucht hätte.

Jeder Mensch hat die Möglichkeit sich von diesen Mängeln zu befreien, wenn er erwachsen ist. Wenn er es nicht will und nicht macht, verzichtet er auf sein volles Potential als menschliches Wesen.

Unsere Kultur muss sich entwickeln zu mehr gegenseitiger Unterstützung auf diesem Weg der Ganzheit und Erleuchtung, und weg von der Idee, dass alles vermarktbare Krankheit ist.

Die Praxis der Inneren Stille

Die Erfahrung der Inneren Stille, die hinter allen Erfahrungen von Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen liegt, ist absolute Voraussetzung für das Erlangen von dauerhafter Erleuchtung. Es ist die Grundübung.

Jede spirituelle Tradition hat seine eigene Praxis um dort hinzugelangen. Man kann durch eine Mantra-Meditation diese Stille erfahren, sich einfach durch alle Empfindungen und Gefühle hindurchfallen lassen bis die Stille auftaucht, oder auch Yoga- und andere körperliche Übungen machen, die zu dieser Ebene der Beruhigung aller psycho-mentalen Bewegungen führt. Das ist alles bekannt, jeder Interessierte praktiziert auf seine ihm genehme Art, und ich glaube, das ist in unserer heutigen Zeit kein wirkliches kontroverses Thema mehr.

Diese Stille ist Ich-los und von daher entsteht der Wunsch, diesen Zustand auch in der normalen Aktivität aufrechtzuerhalten. Ungebunden, frei, nicht-dual zu sein.

Das ist tatsächlich möglich und wird Erleuchtung genannt.

Ich habe über viele Jahre untersucht und erforscht, welche Hindernisse es auf dem Weg zu diesem Ziel gibt, und etwas gefunden, was in keiner Tradition in der Form angesprochen wurde, aber so derartig grundlegend ist, dass man als Praktizierender heutzutage nicht daran vorbeikommt, wenn man Erleuchtung erreichen will. Früher, zu anderen Zeiten und in anderen Kulturen mag das anders gewesen sein. Ich glaube aber nicht.

Als wir diese Entdeckung gemacht hatten, haben wir immer scherzhaft gesagt: Die Erleuchtung verfolgt mich, aber ich bin schneller 😉
Und das kann man wörtlich nehmen!

Das heißt nichts Geringeres, als das wir selbst dafür verantwortlich sind, dass unsere innere Stille immer wieder verschwindet. Wir stecken soviel Arbeit hinein, um die Erfahrung dieses Zustandes endlich zu machen, und wenn wir dann wieder in die Aktivität gehen, beenden wir die Stille regelmäßig selbst. Sie verschwindet nicht ausversehen, sondern weil wir uns so entschieden haben. Immer wieder und wieder.
Und selbst wenn wir diese Entscheidung stoppen könnten, würden wir es emtional nicht ohne Weiteres aushalten können. Unsere Entscheidung gegen den dauerhaften Erleuchtungszustand ist so endgültig und wirkungsvoll, das wir ihr nicht von alleine auf die Schliche kommen. Es bedarf einer ganz bestimmten Arbeit und Praxis, die ihre Zeit dauert. Bei jedem unterschiedlich lange.

Diese Arbeit bedeuted, dass wir uns alle, bzw. die meisten unserer schlechten und auch guten Gefühle, mentalen und körperlichen Erinnerungen und Bilder
anschauen müssen aus der Perspektive der Inneren Ich-losen Stille heraus. Aus der Perspektive, wo der innere Beobachter ganz bei sich selbst ist, wo das Ich mit dem Selbst verschmolzen ist, wo Aufmerksamkeit als höchster Ausdruck des unendlichen Bewusstseins auftritt und alle Erscheinungen und Phänomene als Ausdruck seiner Selbst sieht.

Nur in diesem Zustand der vollkommenen Ich-losen Aufmerksamkeit besteht die Möglichkeit alle Impulse so sehr als Teil von sich selbst zu sehen, dass jegliche Trennung aufgehoben werden kann und die damit auftretenden emotionalen Folgen ausgehalten werden können.

Das kleine begrenzte Ich kann das nicht, weil es sich sofort in den mentalen Bildern, Erinnerungen, Gefühlen und körperlichen Empfindungen verlieren würde. Es ist der aussichtslose Versuch vieler Therapeuten und anderer Coaches, Trainer und Geistheiler, ihren Patienten und Clienten zu einer Befreiung und Erleuchtung zu verhelfen, die auf der Ebene des Ichs nicht erlangt werden kann. Das hat schon so viel Frust und Enttäuschung hervorgerufen. So viele Praktizierende haben ihren spirituellen Weg deshalb verlassen.

Alle selbsterzeugten Impulse, die aus der absoluten Stille aufsteigen, müssen mit Hilfe der Aufmerksamkeit des Ich-losen Selbst angeschaut, verstanden und geklärt werden. Das daraus resultierende Erkennen und Verstehen ist ein solch großartig Anderes, als das der Ich-Ebene. Das kann viel Arbeit sein, aber das Ergebnis ist auf jeden Fall:

Erleuchtung und Weisheit