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Wenn Leiden einen Sinn haben soll…

… muss Bewusstheit vorherrschen.

Leiden im Zustand von Unbewusstheit ist einfach nur grausam und nutzlos. Auch wenn es ein Segen sein kann, wenn man im Zustand großen Leids einfach bewusstlos wird. Das ist eine Notreaktion des Körpers um das System zu schützen, wenn der Schmerz zu groß wird, und natürlich sinnvoll. Die Bewusstheit von der hier die Rede ist, meint das Vorhandensein des inneren Beobachteres im Zustand des Leids.

Wenn Leid und Schmerz auftauchen, ist es unbedingt empfehlenswert in die Position des Beobachters zu wechseln und dort zu verweilen. Aus der Position des Beobachters ist der Schmerz und das Leid nicht sofort geringer oder leichter, oft nimmt er eher zu – das ist hier nicht der wichtige Punkt. Wichtiger ist die Tatsache, dass wir uns bewusst machen, dass wir nicht die Gefühle, das Leid und der Schmerz sind, sondern der Beobachter. Er ist nicht beteiligt an dem Geschehen und dem Ablauf des Leids. Er ist einfach nur reine Aufmerksamkeit, die ohne Unterbrechung dem Ganzen folgt.

So kann die Psyche im Zustand des Beobachters Erkenntnisse erlangen, die mit dem Leid zusammenhängen. Was nicht möglich wäre, wenn man im Schmerz versinken würde und nur einfach das Leid fühlt.

Ganz wichtig ist also immer wieder die Anweisung nicht ins Leid, in das Gefühl, in den Schmerz hineinzugehen, sondern im Beobachter zu bleiben.

Diese Übung ist am Anfang eine echte Herausforderung, weil unsere Aufmerksamkeit automatisch dahin wandert, wo es eine Sensation im Körper oder im Gefühls-Raum gibt. Aber nach einiger Zeit gelingt es einem auch bei großen Schmerzen und Leid im Beobachter zu bleiben. Von dort aus lässt sich der Prozess der Klärung vorantreiben.

Der Schockzustand des Unterbewusstseins

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Unterbewusstsein so eine Art psychischen Schockzustand des menschlichen Bewusstseins darstellt. So hat es sich für mich immer angefühlt.

Vorweg gesagt: Gegen die körperlichen Folgen hilft Entspannung, gegen die falschen mentalen Schlussfolgerungen hilft nur Aufarbeitung, und erst dann lösen sich die damit einhergehenden emotionalen Probleme.

Am Anfang meiner Beschäftigung mit diesem Thema dachte ich, dass Entspannung allein ausreichen würde, um alle Folgen dieses Schockzustandes aufzulösen. Später erkannte ich, dass das nicht funktioniert. Das Unterbewusstsein verschwindet nicht durch Entspannung.

In der Regel folgt einem schockierenden Erlebnis immer eine negative mentale Bewertung und der folgt dann eine negative emotionale Reaktion. Und die beiden lassen sich unter keinen Umständen nur durch reine Entspannung rückgängig machen.

Ich denke, dass viele Menschen, die Yoga, Meditation und Advaita machen, das nicht berücksichtigen.

Schockierende Erlebnisse laufen so schnell und gewaltig ab, dass unsere mentale und emotionale Intelligenz mit der gleichzeitigen Verarbeitung überfordert ist. Das kann erst später geschehen.

Bei körperlichen Erlebnissen übernimmt eine Art körperliches Selbst für einen kurzen Moment die Kontrolle und drängt die beiden anderen inneren Instanzen in den Hintergrund. Nur ganz selten gelingt es einem, in Schrecksekunden den inneren Beobachter aufrechtzuerhalten und das Geschehen wie einen Film in Zeitlupe ablaufen zu lassen. In dem Fall findet keine Verdrängung statt.

In allen anderen Fälle muss die Aufarbeitung durch erneute Bewusstmachung später erfolgen, um die verdrängten Inhalte aus dem Unterbewusstsein zu befreien.

Bei körperlichen Erlebnissen (Un- und Überfälle usw.) ist dieser Ablauf leicht nachvollziehbar. Schwieriger wird es eher bei emotionalen und mentalen Schockerlebnissen.

Jemand verletzt einen gefühlsmäßig, oder zerstört das eigene Wertesystem. Auch das sind Schockerlebnisse, die auf Grund der Schnelligkeit des Erlebens ins Unterbewusstsein verdrängt werden, so dass eine Verarbeitung erst wieder später erfolgen kann.

Da wir Menschen im Laufe unseres Lebens mehrere solcher Erlebnisse durchmachen, baut sich das Neue auf dem Alten auf. Wir reagieren also nicht mehr unbelastet und frisch auf neue Erlebnisse, sondern erinnern uns unbewusst an ähnliche und gleiche Situationen, können dadurch aber schneller reagieren, weil wir das ja schon kennen.

So bilden sich unbewusste Verhaltens- und Reaktionsmuster heraus, die Teile unserer normalen Persönlichkeit werden. Wir sind dann halt so, und jeder ist anders.

Aber leider sind diese unbewussten Persönlichkeitsanteile nicht immer vorteilhaft. Immer wieder kann es vorkommen, dass wir quasi automatisch reagieren, und uns hinterher ärgern, weil die Folgen nicht vorteilhaft sind. Wir stehen uns selbst hilflos gegenüber, wir haben uns selbst nicht im Griff, und die Gefühle machen auch noch was sie wollen. Ich glaube, jeder kennt das.

Mit Entspannung allein kommt man da nicht weiter. Und die Erleuchtungserfahrungen helfen einem da auch nicht weiter. Die tauchen in der tiefen Meditation zwar auf, verschwinden dann aber schnell wieder, weil einmal gefasste mentale Bewertungen, die ins Unterbewusstsein abgeschoben wurden, sich nicht ohne eigenes Zutun auflösen können. Das gilt übrigens für jede Form von Bewertung – negative wie positive.

Wenn man seine Aufmerksamkeit auf die eigenen Gefühle und Stimmungen legt, erhält man Zutritt zum Unterbewusstsein und dort findet man den ganzen Bewertungsmüll, den man im Laufe seines Lebens angesammelt hat. Selbsterkenntnis heißt im ersten Schritt immer, sich dem zu stellen und damit aufzuräumen, damit man unbelastet und authentisch in jedem Moment leben, erfahren und reagieren kann.

Meditation kommt dann, in einem zweiten Schritt, zu seiner vollen Wirkung. Wenn der ganze Müll der Vergangenheit losgelassen ist, zeigt sie einem das wahre eigene Selbst und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Erleuchtung.

Meine Erfahrung ist, dass es keinen Abkürzungsweg oder Trick gibt sich an dieser inneren Arbeit vorbeizumogeln. Wenn doch, hätten wir schon Millionen von Erleuchtete in den letzten Jahrtausenden unter uns gehabt. Und das ist nicht so.

Aufmerksamkeit als Werkzeug

Unsere Aufmerksamkeit ist das wichtigste Werkzeug, dass wir auf dem Weg zur Erleuchtung haben um die Hindernisse zur Seite zu räumen.
Ich habe am Anfang meines Weges Meditation benutzt um in dieses Thema einzusteigen und sehr viel geübt. Erst später wurde mir klar, dass Meditation zwar auch Aufmerksamkeit als Werkzeug nutzt um den Innenraum zu erhellen, aber die Hindernisse nicht aus dem Weg räumen kann.
Von da an habe ich mich um die Aufmerksamkeit direkt gekümmert und Werkzeuge zum Üben benutzt, die die Aufmerksamkeit in den Mittelpunkt der Arbeit stellen.
Mit ihr eng verknüpft ist der innere Beobachter. Er etabliert sich im eigenen Innenraum nach einiger Zeit der Übung und ist unverzichtbar für jeglichen weiteren seriösen Fortschritt auf dem Weg zur Erleuchtung.
Der innere Beobachter ist am Anfang der Praxis mit dem Gefühl des kleinen Ichs verbunden. Das ändert sich, wenn das SEIN mehr und mehr in den Alltag einfließt, wenn das Ich sich immer weiter ausdehnt, um dann in der Unendlichkeit zu verschwinden. Es vereinigt sich dann mit dem großen SELBST, dass unendlich ist. Dann fühlt sich der Beobachter auch unendlich weit an und wird zum Zeugenbewusstsein.
Der Vorteil ist, dass einen die großen Gefühle des Lebens nicht mehr überwältigen können, weder die schlechten noch die guten. Die Bindungen/Anhaftungen lösen sich und die Freiheit taucht auf.