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Die Praxis der Inneren Stille

Die Erfahrung der Inneren Stille, die hinter allen Erfahrungen von Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen liegt, ist absolute Voraussetzung für das Erlangen von dauerhafter Erleuchtung. Es ist die Grundübung.

Jede spirituelle Tradition hat seine eigene Praxis um dort hinzugelangen. Man kann durch eine Mantra-Meditation diese Stille erfahren, sich einfach durch alle Empfindungen und Gefühle hindurchfallen lassen bis die Stille auftaucht, oder auch Yoga- und andere körperliche Übungen machen, die zu dieser Ebene der Beruhigung aller psycho-mentalen Bewegungen führt. Das ist alles bekannt, jeder Interessierte praktiziert auf seine ihm genehme Art, und ich glaube, das ist in unserer heutigen Zeit kein wirkliches kontroverses Thema mehr.

Diese Stille ist Ich-los und von daher entsteht der Wunsch, diesen Zustand auch in der normalen Aktivität aufrechtzuerhalten. Ungebunden, frei, nicht-dual zu sein.

Das ist tatsächlich möglich und wird Erleuchtung genannt.

Ich habe über viele Jahre untersucht und erforscht, welche Hindernisse es auf dem Weg zu diesem Ziel gibt, und etwas gefunden, was in keiner Tradition in der Form angesprochen wurde, aber so derartig grundlegend ist, dass man als Praktizierender heutzutage nicht daran vorbeikommt, wenn man Erleuchtung erreichen will. Früher, zu anderen Zeiten und in anderen Kulturen mag das anders gewesen sein. Ich glaube aber nicht.

Als wir diese Entdeckung gemacht hatten, haben wir immer scherzhaft gesagt: Die Erleuchtung verfolgt mich, aber ich bin schneller 😉
Und das kann man wörtlich nehmen!

Das heißt nichts Geringeres, als das wir selbst dafür verantwortlich sind, dass unsere innere Stille immer wieder verschwindet. Wir stecken soviel Arbeit hinein, um die Erfahrung dieses Zustandes endlich zu machen, und wenn wir dann wieder in die Aktivität gehen, beenden wir die Stille regelmäßig selbst. Sie verschwindet nicht ausversehen, sondern weil wir uns so entschieden haben. Immer wieder und wieder.
Und selbst wenn wir diese Entscheidung stoppen könnten, würden wir es emtional nicht ohne Weiteres aushalten können. Unsere Entscheidung gegen den dauerhaften Erleuchtungszustand ist so endgültig und wirkungsvoll, das wir ihr nicht von alleine auf die Schliche kommen. Es bedarf einer ganz bestimmten Arbeit und Praxis, die ihre Zeit dauert. Bei jedem unterschiedlich lange.

Diese Arbeit bedeuted, dass wir uns alle, bzw. die meisten unserer schlechten und auch guten Gefühle, mentalen und körperlichen Erinnerungen und Bilder
anschauen müssen aus der Perspektive der Inneren Ich-losen Stille heraus. Aus der Perspektive, wo der innere Beobachter ganz bei sich selbst ist, wo das Ich mit dem Selbst verschmolzen ist, wo Aufmerksamkeit als höchster Ausdruck des unendlichen Bewusstseins auftritt und alle Erscheinungen und Phänomene als Ausdruck seiner Selbst sieht.

Nur in diesem Zustand der vollkommenen Ich-losen Aufmerksamkeit besteht die Möglichkeit alle Impulse so sehr als Teil von sich selbst zu sehen, dass jegliche Trennung aufgehoben werden kann und die damit auftretenden emotionalen Folgen ausgehalten werden können.

Das kleine begrenzte Ich kann das nicht, weil es sich sofort in den mentalen Bildern, Erinnerungen, Gefühlen und körperlichen Empfindungen verlieren würde. Es ist der aussichtslose Versuch vieler Therapeuten und anderer Coaches, Trainer und Geistheiler, ihren Patienten und Clienten zu einer Befreiung und Erleuchtung zu verhelfen, die auf der Ebene des Ichs nicht erlangt werden kann. Das hat schon so viel Frust und Enttäuschung hervorgerufen. So viele Praktizierende haben ihren spirituellen Weg deshalb verlassen.

Alle selbsterzeugten Impulse, die aus der absoluten Stille aufsteigen, müssen mit Hilfe der Aufmerksamkeit des Ich-losen Selbst angeschaut, verstanden und geklärt werden. Das daraus resultierende Erkennen und Verstehen ist ein solch großartig Anderes, als das der Ich-Ebene. Das kann viel Arbeit sein, aber das Ergebnis ist auf jeden Fall:

Erleuchtung und Weisheit