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Menschen dürfen nicht zu Patienten gemacht werden.

Es gibt eine wichtige Unterscheidung, die ich hier darstellen möchte.

Der spirituelle Weg konfrontiert uns genauso mit unseren Traumata und unserer Vergangenheit, wie es ein normales materielles Leben auch tut. Wenn wir ein wirklich glückliches Leben leben wollen, kommen wir nicht darum herum, uns mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen, und den Teil von uns aus der Vergangenheit zu befreien, den wir damals zurücklassen mussten, um den Anforderungen in der Familie, im Kindergarten und in der Schule gerecht zu werden.

Wenn wir unsere abgespaltenen Selbstanteile nicht befreien und in unser heutiges Selbst integrieren, werden wir immer das Gefühl haben, dass irgend etwas nicht stimmt und wir nicht wirklich zufrieden sein können mit uns selbst und immer etwas im Äußeren suchen müssen.

Wichtig ist es, dass wir uns klar machen, dass die Notwendigkeit für diese Aufarbeitung eine freiwillige Sache ist und nur von uns selbst kommen kann, und nur durch uns selbst getan werden kann. Niemand kann uns diese emotionale, mentale und körperliche Heilarbeit abnehmen. Und wir sollten niemals auf die Idee kommen, dass wir krank sind, nur weil wir den Weg noch nicht ganz geschafft haben.

Es gibt heutzutage so viele Therapien, die sich diesem Thema der Aufarbeitung der Kindheit verschrieben haben, und eine Menge Wahrheiten herausgefunden haben über die menschliche Psyche. Was sie aber alle falsch machen bei diesem Thema ist, dass sie diese Suche nach Ganzheit als Behandlung einer Krankheit ansehen. Das ist falsch, denn jeder Mensch, der die Zeit seiner Kindheit dadurch überlebt hat, dass er Erinnerungen und Erlebnisse verdrängt hat, also Teile von sich selbst abgespalten hat, ist ein Held. Denn er hat überlebt. Die Alternative wäre gewesen, dass er sich völlig aufgibt und stirbt.

Deshalb sehe ich das therapeutische Wissen als gut an, die Art und Weise wie es vermarktet und angewendet wird, wie es verkauft wird, und wie Menschen zu Patienten gemacht werden, als Fehler.
Es ist dadurch ein Psycho-Markt entstanden, der Menschen zu Kunden macht, indem sie entweder therapeutische Methoden kaufen müssen, oder Psychopharmaka, von denen sie abhängig werden wie von Drogen.

Der spirituelle Weg ist der sanfte und menschliche Weg der Heilung, da auf dem Weg zur Erleuchtung diese ganzen Traumata ans Tageslicht kommen. Der Mensch als Suchender sich aber nicht als kranken Patienten sehen muss..
 
Das ist ein ganz wichtiger Unterschied, der in unserer Kultur viel zu wenig beachtet wird.

Nicht-Erleuchtung ist keine Krankheit, sondern einfach ein anderer Bewusstseinszustand, in dem das innere Glück und die Liebe sich nicht vollständig entfalten konnten, weil man zu oft nicht den Zuspruch und die Liebe bekommen hat in der Kindheit, die man gebraucht hätte.

Jeder Mensch hat die Möglichkeit sich von diesen Mängeln zu befreien, wenn er erwachsen ist. Wenn er es nicht will und nicht macht, verzichtet er auf sein volles Potential als menschliches Wesen.

Unsere Kultur muss sich entwickeln zu mehr gegenseitiger Unterstützung auf diesem Weg der Ganzheit und Erleuchtung, und weg von der Idee, dass alles vermarktbare Krankheit ist.

Das Ziel der Praxis der Inneren Stille

Das Ziel der Praxis der Inneren Stille ist die Erfahrung der Einheit im Alltag als stabiler Bewusstseinszustand.

Samyama ist Sanskrit und benennt einen Bewusstseinszustand des Selbst, wenn Körper, Gefühle und Geist eine bewusste Einheit im Übergang zwischen Aktivität und Stille eingegangen sind, auf der feinsten Ebene des Bewusstseins. Das Schauen in diesem Zustand der Einheit erzeugt reine Wahrheit. und das Handeln aus ihm heraus erzeugt Wirklichkeit ohne Leid. Es wird in den Yoga-Sutren von Patanjali auch die Einheit von Dharana, Dyana und Samadhi genannt, was mit Konzentration, Meditation und Versenkung übersetzt wird. Laut Yoga-Philosophie führt dies zur vollständigen Befreiung.

1) Der Zustand der Inneren Stille, den jeder kennt, der eine Zeitlang einer spirituellen Praxis nachgegangen ist, stellt eine erste Voraussetzung für Samyama dar. Das persönliche kleine Ich verliert sich im Ozean der Stille, im Nichts, im Sein, wird völlig eins damit. Wenn man wieder in die Aktivität tritt, verliert sich die Stille und das Ich taucht wieder auf und wird wie gewohnt wieder ganz normal aktiv. Dies ist ein erster Erleuchtungszustand innerhalb der Meditation.

Wenn man die Praxis der Inneren Stillle eine Zeitlang ausgeübt hat, erreicht man einen Zustand, wo sich nicht nur das persönliche Ich in der Stille der Unendlichkeit auflöst, sondern auch der Körper, alle Gefühle und der Geist. Sie befinden sich dann in einer bewussten Einheit, Samyama, die genau wie die innere Stille ins tägliche Leben übernommen werden kann.

2) Wenn die innere Stille dauernd in die Aktivität getragen wird und während der Aktivität nicht mehr verschwindet, hat man das dauernde Gefühl, dass man quasi als unendlich stiller Beobachter „neben“ sich selbst steht und sich bei allem, was man tut, beobachtet.
Man hat quasi einen neuen Bewusstseinszustand erreicht, wo man aus zwei verschiedenen Perspektiven heraus schauen und handeln kann und beliebig zwischen beiden wechseln kann. Man schaut und handelt entweder als normale begrenzte Person, oder man ist die Stille, die sich selbst beim Handeln zuschaut. Man lebt quasi beide Perspektiven gleichzeitig, entweder die Eine oder die Andere.
Es ist da noch eine Trennung vorhanden. Man fühlt sich entweder unendlich oder begrenzt. Beides ist gleichzeitig da, aber noch getrennt voneinander. Das ist ein Kennzeichen dieses Bewusstseinszustandes, der mit der Zeit dauerhaft erhalten bleibt.

3) Wenn man jetzt die bewusste Einheit von Körper, Gefühl und Geist, als Praxis der Inneren Stille, mit in die Aktivität trägt, ändert sich das Empfinden noch einmal und ein neuer Bewusstseinszustand von Einheit baut sich auf.

Die Trennung, die man vorher noch erfahren hat, verschwindet – und die Einheit entsteht. Die Unendlichkeit hat zwei Seiten. Eine unendliche und eine begrenzte. Und beide Seiten sind vollständig im Blickfeld.

Es gibt jetzt nur noch eine Perspektive aus der geschaut und gehandelt wird. Das ist die Perspektive der Unendlichkeit und Stille. Alles wird aus der Perspektive der Unendlichkeit gesehen. Es gibt nicht mehr die Möglichkeit irgendetwas als begrenzt zu sehen. Alles ist ein Teil, ein Ausdruck des Unbegrenzten, das man selbst ist. Und man sieht sich selbst nicht mehr als begrenzter Teil. Unter keinen Umständen.

Man weiß zwar um die Begrenzheit der Objekte, sieht sie aber nur noch als Ausdruck des Unbegrenzten. Es ist, als ob eine Verschmelzung der beiden vorigen Perspektiven stattgefunden hat. Nichts ist da, was nicht Ausdruck des unbegrenzten Seins ist. Und das, was man als sich selbst, als die eigene Individualität empfindet im Alltag, ist auch nur ein Ausdruck des Seins.

4) Nach einiger Zeit verwandelt sich auch diese Perspektive. Sie erweitert sich. Die beiden Seiten der Unendlichkeit verschmelzen zu einer einzigen Seite, wie ein Kreis oder eine Kugel. Alles Begrenzte wird nur noch in Werten des Unbegrenzten wahrgenommen. Es gibt nichts Begrenztes mehr. Die urspüngliche Gegensätzlichkeit von absolut und relativ verschwindet. Alles wird nur noch als ein Teil des Absoluten gesehen. Das Begrenzt wird völlig durchdrungen und aufgelöst vom Unbegrenzten.

Das Sein betrachtet sich selbst. ES beobachtet sich als Beobachter selbst. Der Beobachter IST ES selbst. Man empfindet das nicht mehr als Beobachten. Sondern ist sowohl derjenige der beobachtet, als auch das was beobachtet wird. Es findet quasi eine Verkürzung des Beobachtungsvorgangs statt, weil man selbst Beides ist.
Klingt komisch, ist aber so im eigenen Empfinden. Wie soll ich etwas beobachten, dass ich selbst bin? Ich kann immer nur mich selbst sehen. Und wenn ich das nicht tue, bin ich es trotzdem.
Im Nichts der Unendlichkeit ist Wahrnehmung nur eine Aktivität des Bewusstseins in Bezug auf sich selbst. Das Bewusstsein nimmt sich selbst wahr. ES ist alles inklusive 😉

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Am Anfang tritt diese Empfindung auf, wenn man sich selbst wahrnimmt.
Ich bin DAS.
Dann, wenn man seine Wahrnehmung auf seinen Gegenüber fokussiert.
Du bist DAS.
Dann ist das Gefühl ständig da, wenn man Objekte seiner Umgebung betrachtet.
All dies ist DAS.

Und dann schließt sich der Kreis der Wahrnehmung und alles wird ständig als DAS wahrgenommen, egal ob man ES betrachtet, oder nicht.
Alles ist DAS. Es gibt da nichts außer DAS.
DAS ist Alles und da gibt es nichts, was nicht DAS ist. Immer und zu aller Zeit ist alles nur reines Sein.

Und trotzdem ist „man“ in der Lage in diesem vollkommenen Nichts seinem ganz normalen Tagesablauf nachzugehen.
Es ist wie ein großes Wunder, und ich staune da auch immer wieder drüber 😉